Not macht erfinderisch
Diese Seite gehört zum Netzauftritt von Frank Merla.

Das menschliche Gehirn ist ein Problemlösungsorgan, aber es liebt es auch, in einen Zustand zurückzukehren, in dem Ruhe im Karton herrscht. Unsere moderne westliche Zivilisation bietet vor allem Menschen, die genug Geld zur Verfügung haben, allerlei Bequemlichkeiten um in diesem Zustand bleiben zu können.

Das war nicht immer so. Meistens gab es Menschen, die in Not waren und aufblickten zu denen, die ein angenehmeres Schicksal hatten. Endlich, nach tausenden von Jahren können wir uns wie kleine Herrscher fühlen indem wir nicht mehr selber gehen müssen, sondern getragen werden (Autos, Flugzeuge). Nun werden wir nicht mehr von Menschen getragen, die mit erneuerbaren Ressourcen betrieben werden, sondern von Maschinen, deren Herstellung und Betrieb Unmengen von Ressourcen (Erz, Erdöl) verschlingt und nachfolgenden Generationen nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Das muss uns auch nicht weiter kümmern, denn wenn wir weitermachen wie bisher, dann stirbt die Menschheit sowieso aus. Was die restliche Natur mit der übrig bleibenden Biosphäre anstellen wird, ist uns sowieso egal.

Lasst uns für mehr praktizierte Menschenwürde den Freiraum nutzen, den uns die vom kapitalistischen Wirtschaften bescherte Komfortzone bietet. Wir können auch ohne eine Notsituation zu verspüren erfinderisch sein.

So bin ich zum Beispiel nach meinem juristischen Studium auf die Idee verfallen, ohne Not Esperanto zu lernen. Ich hatte noch deutlich in Erinnerung wie schwer es mir gefallen war, Französisch zu lernen. Das passierte unter anderem so, weil ich es musste. Der Kontrast dazu etwas aus freien Stücken zu lernen war geradezu beglückend. Begünstigend kam hinzu, dass Esperanto deutlich leichter zu lernen ist als "gewachsene" Sprachen. Wesentlich für mich war die (Spiel-)Freude mir etwas anzueignen, das exotisch ist, nicht unbedingt notwendig erscheint, kein Geld kostet und Erfolgserlebnisse verschafft.

Ohne es vorher zu ahnen, habe ich mir ein Werkzeug angeschafft, mit dem ich meine Friedensliebe leichter ausleben kann. Ich bilde mir ein mit meiner Anwendung der Internationalen Sprache die Welt eben nicht notgedrungen ein bisschen besser zu machen, sondern weil ich es als Glück empfinde.

Erfolgserlebnisse kann man auch beim Modellbau haben, aber immer nur in den Flow kommen und hinterher fachsimpeln mit anderen Modellbauern ist bestenfalls die halbe Miete. Menschen sind soziale Wesen und es der menschlichen Gesellschaft gemäßer aus Konsumhaltung heraus zu kommen um sich gegenseitig zu Potentialentfaltung zu ermuntern.

Komm mol wedder